Wie die moderne Fußchirurgie helfen kann

Wie die moderne Fußchirurgie helfen kann

Krumme Zehen, Druckstellen, Schwielen, Hühneraugen, die Füße sind geschwollen, brennen, schmerzen - viele Menschen haben Probleme mit ihren Füßen und ihr Leben wird zur Qual. Doch so weit sollten sie es gar nicht erst kommen lassen, sondern frühzeitig zum Orthopäden gehen. Denn Krankheiten wie ein Hallux valgus oder eine Arthrose im Zehengelenk können einige Zeit gut mit maßgefertigten Schuheinlagen oder gezielter Physiotherapie behandelt werden.

"Ein chirurgischer Eingriff ist dann oftmals überhaupt nicht oder erst später nötig", betont Privatdozent Dr. Bernd Wegener, Fußchirurg und Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation am Klinikum der LMU. Im Interview spricht der Experte über die häufigsten Probleme und was man dagegen tun kann.

Der Spreizfuß

Er ist der Ausgangspunkt für die meisten Erkrankungen. Vom Spreizfuß gehen verschiedene Beschwerden aus wie etwa der Hallux valgus, also die Querstellung der Großzehe, mit oder ohne Arthrose. Auch Schmerzen im Vor- und Mittelfuß gehören dazu: die Metatarsalgie. PD Dr. Wegener: "Normalerweise verteilt sich der Fuß relativ gleichmäßig über den Boden, das kann man in der Druckmessplatte sehr schön darstellen. Beim Spreizfuß senkt sich der Fuß in der Mitte ab, die Knochen treten auseinander, spreizen sich. Er entsteht durch die anlagebedingte Schwäche des Bindegewebes sowie durch Fehl- und Überbelastung, oftmals durch zu hohe Schuhe. Es kommt zu einem Mehr an Druck, deswegen auch zu einer vermehrten Beschwielung und zu Schmerzen. Die klassische Vorstellung, dass es dort ein Fußgewölbe gibt, ist inzwischen historisch. Die Standardtherapie ist zunächst mal die Einlage, um die Belastung wieder gleichmäßig zu verteilen, den Schmerz zu reduzieren. Und keine zu engen oder zu hohen Schuhe mehr!"

Hallux valgus (Ballenzeh)

Das Grundgelenk des großen Zehs knickt ein, schiebt sich nach außen, verdickt sich, entzündet sich schließlich und beginnt zu schmerzen. Ursachen sind auch hier Veranlagung, falsche Schuhe, eventuell Überlastung durch harte und unnatürliche Untergründe, auf denen wir den ganzen Tag herumlaufen. PD Dr. Wegener: "Auch der Hallux valgus kann konservativ behandelt werden. In frühen Stadien helfen Schuheinlagen. Durch eine spezielle Abstützung in der Einlage, die sogenannte retrokapitale Pelotte, wird der Fuß schmaler, dadurch zieht es den Großzeh weniger zur Seite. Je weiter der Großzeh abweicht, umso mehr tritt im Bereich des inneren Fußbandes eine sogenannte Exostose auf, eine knöcherne Ausstülpung. Spätestens dann passt kein Schuh mehr, es entstehen Druckstellen. Das führt die Leute dann am ehesten zum Arzt." Wenn auf Dauer nichts hilft, wird oftmals doch operiert. Abhängig vom Ort oder wie die Fehlstellung ausgeprägt ist, stehen verschiedene Operationsmethoden zur Verfügung. Meist wird ein weichteiliger mit einem knöchernen Eingriff kombiniert, und damit die Großzehe wieder gerade gestellt.

Arthrose im großen Zeh

Die große Zehe schmerzt beim Abrollen, vor allem nach dem Aufstehen. Dazu kommt, dass das Grundgelenk verdickt ist und die Zehe unbeweglicher macht. Als Folge wird derFuß unbewusst über den Außenrand abgerollt, was weitere Probleme auslösen kann. Beim Röntgen lässt sich eine Arthrose  (Abnutzung) des Großzehengrundgelenks erkennen. Dahinter kann Veranlagung stecken, altersbedingter Verschleiß, aber auch Verletzungen von früher. PD Dr. Wegener: "Bei länger andauernden und größeren Fehlstellungen ist es häufig so, dass das Großzehengrundgelenk kaputt geht - dann haben wir dort eine Arthrose." Abhilfe verschaffen häufig schon Schuhe mit einer steifen Sohle oder Einlagen sowie einer Abrollhilfe im Bereich des Ballens. Diese Hilfsmittel lindern den Schmerz, weil das Gelenk ruhiggestellt wird. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für den Orthopädietechniker, der diese Einlagen und Abrollhilfen maßgeschneidert herstellt.

Wenn das nicht ausreicht, sind je nach Diagnose verschiedene kleine chirurgische Eingriffe möglich. PD Dr. Wegener: "Wenn wir Knochenvorsprünge am Gelenk abtragen können, reicht das in einem frühen Stadium manchmal. Aber es kann auch sinnvoll sein, das Gelenk versteifen zu lassen. Das lindert den Schmerz sehr gut." Diese Versteifung des Gelenkes ist der Goldstandard. PD Dr. Wegener: "Eine komfortable belastbare Lösung. Die Einschränkung ist relativ gering, für Alltagsbedürfnisse und leichten Sport ist das absolut praktikabel. Eine Alternative sind Prothesen für das Großzehengrundgelenk. Die auf dem Markt befindlichen Implantate haben keine guten Langzeitergebnisse, wir bieten sie deshalb nicht an. Eine Operation sollte gut überlegt sein, vor allem, wenn sie eher auf einem kosmetischen Problem beruht."

Klauen-, Krallen- Hammerzehen

So werden Deformitäten der kleinen Zehen genannt. Sie zeigen sich in den Mittel- und Endgelenken, mit Schmerzen, Druckstellen, Hühneraugen, die Zehen liegen über- und untereinander - kein ästhetischer Anblick und keine Schuhe passen richtig. Ursache ist meist der Spreizfuß, in Kombination mit einem Ballenzeh. Dabei verdrängt der große Zeh den kleineren. Auch hier ist Veranlagung schuld, am schlimmsten aber wirkt sich falsches Schuhwerk aus. PD Dr. Wegener: "Einlagen, Polster oder Nachtschienen können helfen. Doch auf Dauer ist ein chirurgischer Eingriff das Mittel der Wahl. Je nach Diagnose kann das Köpfchen des Grundgliedes abgetragen und die Zehe gestreckt werden. Diese Eingriffe sind in der Regel unproblematisch."

Ein Beitrag vom Klinikum der Universität München

 

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Eingestellt von anja